[Fukigakure] Isolationsraum

Mukiwara Sumiyaka

[Fukigakure] Isolationsraum

Beitragvon Mukiwara Sumiyaka » Mi 26. Jan 2011, 12:04

Isolationsraum des Dorfes


[float=left]Bild[/float] Das Baumhaus, das als Isolationsgebäude genutzt wird, ist mit Abstand das kleinste des Dorfes. Dennoch ist es mit mindestens genauso großem Abstand das am stabilsten gebauteste. Dicke Eisenholzstämme sind zu den runden Wänden des Gebäudes verflochten. Lediglich am obersten Punkt befindet sich eine Öffnung, die mit einem speziellen Glas verschlossen ist. Dieses ist extrem bruchfest und absolut Feuerresistent. Dafür lässt es am Tag das Licht der Sonne hinein und durchflutet den kreisrunden Raum im Inneren.


Das Innere selbst ist äußerst karg eingerichtet. Ein paar dünne Teppiche schaffen es nicht, den Raum wohnlich zu gestalten. Außer ihnen befindet sich lediglich ein kleiner Ofen in der Mitte des Baumhauses, dessen Ofenrohr im Glas des Daches mündet. An kalten Tagen hilft dieser hier etwas Wärme zu schaffen. Hin und wieder wird das Gebäude genutzt, um Geräte zwischen zu lagern oder Kranke des Landes, die sich besonders ansteckende Krankheiten eingefangen haben, zu isolieren, bis sie wieder gesund gepflegt wurden. Die meiste Zeit jedoch steht das Gebäude ungenutzt und leer. Eine entsprechend dicke Staubschicht hat sich deshalb auf den Balken, den Teppichen und auch auf dem Ofen abgelegt. Zwar wurde es von den ersten Inselbewohnern als eine Art Gefängnis erbaut, doch hatte sich bisher nie die Gelegenheit ergeben, es als solches zu nutzen. Immerhin verirrt sich auf Kamikakushi seit den Versuchen Oroshimarus niemand mehr.


Sollte je ein Gefangener hier eingesperrt werden, dann nur vorüber gehend, bis entschieden wurde was mit ihm geschehen würde. So lang würden Wachen rings um das Gebäude postiert werden, die von oben Sicht ins Innere hätten, sowie Wachen am Eingang und einige Wachen, die in sicherem Abstand einen Blick auf das Baumhaus werfen können.

Mukiwara Sumiyaka

Re: [Fukigakure] Isolationsraum

Beitragvon Mukiwara Sumiyaka » Fr 1. Apr 2011, 20:56

[CF – [tropischer Urwald] Unter dem Dorf]


Während die Männer Sumiyaka am Rand des Dorfes entlang eskortierten, waren sie stets darauf bedacht, die Kunoichi derart abzuschirmen, dass sie kaum einen Blick auf ihre Umgebung erhaschen konnte. Ihre Abneigung Fremden gegenüber war auch jetzt noch zu spüren, auch wenn die Nennung von Masamori Seijis Namen die Feindseligkeiten ihr gegenüber merklich hatte abebben lassen. Immer wieder musterten die Fremden sie mit interessiert distanzierten Blicken. Wer sie nur war? Mochten sich die Inselbewohner Kamikakushis in diesem Moment vermutlich fragen. Eine Freundin und Untergebene Masamori Seijis, das hatte sie behauptet. Doch ob es stimmte, konnten sie nicht beurteilen. Und gerade das machte sie nervös. Von Kindesbeinen an hatten sie gelernt, dass die Menschen von der Außenwelt böse waren. Nein, nicht alle waren böse. Allerdings steckte in zu vielen Bösartigkeit und der Hang zur Gewalt. Jene die diesen Sünden nicht erlegen waren, wurden von Selbstsucht gepeinigt. Deshalb kam zu Zeiten Orochimarus auch keiner ihrer Landsleute, um sie, die Ahnen der heutigen Inselbewohner Kamikakushis, zu retten. Niemand befreite sie aus Schmach und Folter. Stattdessen kamen immer neue Versuchspersonen auf die Insel, wurden eingekerkert und starben weg wie die Fliegen. Niemand kümmerte es. Niemand verließ sein warmes Nest, um sie, diejenigen die Hilfe so dringend nötig hatten, zu schützen. Doch Masamori Seiji war anders. Einen Sheruta, einen Beschützer, nannte er sich selbst und so verhielt er sich auch.

Ob es nun daran lag, dass es ihm nicht möglich war die Insel mit seinen umgebenden, tödlichen Riffen zu verlassen oder die friedfertige Idylle der Insel ihn umfing und zum bleiben bewegte, vermochte niemand der Inselbewohner von damals mit Sicherheit zu sagen. Und obwohl es erst ein paar Jahre her war, was Masamori Seiji für eine kurze Zeit auf der Insel lebte, so umgab seine Anwesenheit dereinst bereits Mythen und Sagen. So erzählte man sich bereits, dass der große Sheruta deshalb geblieben war, weil die Güte der Einwohner Kamikakushis und die Schönheit der Insel ihn derart verzaubert hatten, dass er, verraten wie sie selbst es auch waren, hier wieder Ruhe und Trost für seine Seele gefunden hatte. Und genauso erzählten sie sich, dass er mit Seinesgleichen zurück kehren würde, um mit ihnen hier leben zu können und zusammen mit ihnen die Inselbewohner vor den bösartigen Machenschaften der Außenwelt zu schützen. Würden die Geschichten um Masamori Seiji jedoch bereits hier enden, so hätte er die fast ehrerbietende Freundschaft der Inselbewohner nicht für sich gewinnen können. Bereits Generationen lebte ihr Volk auf dieser Insel und seit der Zeit, als sie sich von der Herrschaft Orochimarus befreit hatten, war es ihnen aus eigener Kraft gelungen, ihre Insel vor Eindringlingen zu schützen. Wäre es nur Schutz gewesen, was Masamori Seiji ihnen prophezeit hatte, so hätte er nie dieses Ansehen erlangen können, wie er es nunmehr inne hatte. Nein, es war etwas anderes, weshalb sie ihn respektierten und in ihre Reihen aufgenommen hatten. Es war etwas, das man den Kindern nicht erzählte und über das man sich auch unter den Erwachsenen nur hinter vorgehaltener Hand und im vorsichtigen Flüsterton unterhielt. Kam die Sprache auf jenes Thema, so begannen die Herzen der Inselbewohner vor Aufregung zu klopfen. Aufregung, die sich zu gleichen Teilen aus Angst und grenzenloser Freude und Kampfeswillen zusammen setzte.

In der Zeit, die Masamori Seiji unter ihnen gelebt hatte, kristallisierte sich bald heraus, dass auch er einen Todfeind hatte. Eine Gruppe von Menschen, die er derart verachtete, dass er alles daran setzen würde sie aufzuhalten und zu töten. Dass diese Gruppe eben Anhänger des Mannes waren, der ihren Ahnen so viel Leid zugefügt hatte, wusste zu Anfang keiner von ihnen. Erst später, nach langen Gesprächen am abendlichen Feuer und kleinen Anekdoten die sie während der Jagt austauschten so lange sie warteten, dass sich das Wild den Wasserstellen näherte, entdeckten sie die tiefe Feindschaft den gleichen Menschen gegenüber – Akatsuki. Sheruta würde nicht eher ruhen, bevor all diejenigen die es Wert waren geschützt zu werden, in Sicherheit vor den Schlächtern Akatsukis sein würden. Heute, morgen und an jedem Morgen der jemals folgen sollte. Seiji versprach ihnen, dass er sich auch in ihrem Namen und im Namen ihrer Ahnen an den Männern mit den roten Wölkchenmänteln rächen würde. Im Zuge dessen versprachen sie ihm, dass sie seine Landsmänner ebenso schützen würden, wie er es ihnen versprochen hatte. Dass er kein Mann leerer Worte war, hatte er während seiner Zeit auf der Insel mehrfach bewiesen. Würden sie nun beweisen können, dass auch sie kein Volk leerer Worte waren? Ein erneuter nervöser Blick streifte über die Sheruta. Die junge Frau wirkte in ihren Augen nicht so, als könne sie es mit den Dämonen dieser Welt aufnehmen, geschweige denn sie besiegen. Stattdessen strahlte sie Ruhe und Sanftheit aus die die minimale Bedrohung, die von der Shinobi Kleidung und den Waffen die sie trug ausging, Lüge zu strafen schien. Wie sollte eine solche Frau, statt ihrer, Akatsuki bekämpfen können? Wie würde sie die Schwächsten unter ihnen beschützen können? Immerhin hatte auch sie sich als Sheruta, als Beschützer, vorgestellt.


Sumiyaka wusste nichts von den Erfahrungen und Geschichten der Inselbewohner. Dennoch faszinierte sie dieses Volk seit dem Moment, in dem sie dem jungen Keto im Wald begegnet war. Nein, bereits seit Daku ihr berichtet hatte, dass dieses Volk verborgen auf dieser Insel lebte, war sie fasziniert von dem Gedanken, den Bewohnern Kamikakushis zu begegnen. Ihnen nun tatsächlich zu begegnen war aufregend und traurig zugleich. Während sie Aufregung durchzuckte, bei dem Gedanken was sie an Sitten und Bräuchen, genauso wie an Wissen in der Pflanzenkunde von ihnen lernen würde können, durchflutete sie eine ungeahnte Trauer beim Anblick der Waffen und des Kampfeswillen der Inselbewohner. Sie hatte nicht erwartet, dass ein Volk das derart isoliert von der Außenwelt lebte, dennoch so stark dem Kampf ergeben sein könne. Schließlich standen sie in keinem Krieg mit einem anderen Land und hätten sich friedlich entwickeln können. Niemand würde freiwillig die Insel der Entseelten betreten wollen. Weshalb sollten die Inselbewohner dann solch Kavallerie auffahren? Die Sheruta dachte darüber nach, ob der Kampf und die Gewaltbereitschaft vielleicht im Wesen der Menschen lagen, oder ob man dieser Tendenz einen Keil ins Getriebe werfen könnte. Ihr Blick fiel auf eine Plattform zwischen den Bäumen, auf denen einige Männer und Kinder trainierten. Sie kämpften in Trainingskämpfen miteinander und besserten auf diese Art und Weise ihre Fähigkeiten im Taijutsu auf. Einen Augenblick blieb Sumiyaka stehen und sah zu ihnen hinüber. So oft hatte sie Taijutsukämpfe beobachtet, die Bewegungsabläufe verfolgt und aus sicherer Entfernung gewartet, dass ihr Team Unterstützung brauchte. Ihre Aufgabe als Medic war es stets, aus der Deckung heraus möglichst chakrasparend zu kämpfen oder sich gar ausschließlich auf die Beobachtung auszulegen. Denn ein Medic zog die Karre aus dem Dreck, wenn ihre Kameraden Beistand benötigten.

Eine Hand auf ihrem Rucksack, die ihr einen leichten Stoß versetzte und so vermittelte weiter zu gehen, riss Sumiyaka aus ihren Gedanken und sie konzentrierte sich weiter auf ihren Weg über die Hängebrücken. Ein klein wenig erinnerten sie sie an die Hängebrücken Iwagakures. Doch nur ein klein wenig. Denn diese Verbindungswege hier waren weitaus schmaler und besser getarnt, als die, die in der Hauptstadt Tsuchi no Kunis zu sehen waren. Außerdem war dies bisher ihr erstes mal, dass sie genau auf ein Gebäude zu lief, das wie ein großes Holzteepee zu lief, das mitten in einem Baum hing. Aber genau dies schien ihr Ziel zu sein. Der kleine Trupp hielt vor dem merkwürdig anmutenden Gebäude, wie es, in größerer Form noch weitere hier zu geben schien. Einer der Männer öffnete die Tür und bedeutete der Sheruta ins Innere des Baus zu gehen. Mit einem knappen nicken und ohne weitere Worte folgte Sumiyaka der Aufforderung und betrat das Zelt. Auch wenn sie nicht sonderlich groß war, so musste sie am Eingang doch den Kopf ein Stück einziehen, um nicht an die Decke zu stoßen. Im Inneren des Teepees angekommen, richtete sie sich jedoch wieder auf. Denn dort angelangt befand sie sich in einem großen runden Raum. Auch die Decke schloss sich nahezu eiförmig über ihr. Lediglich eine Art Fenster am obersten Punkt des Zeltes ließ ein paar Sonnenstrahlen in den sonst eher düsteren Raum fallen. Es roch etwas muffig und als Sumiyaka vorichtig durch den Raum schritt, stoben kleine Staubwölkchen um ihre Stiefel empor. Mittig des Raumes stand ein alter Ofen, dessen Rohr im oberen Sichtfenster mündete. Zumindest gab es einen Abzug, auch wenn sie nirgends Feuerholz im ansonsten leeren Raum entdecken konnte. „Nicht gerade üppig ausgestattet“, dachte sie sich und wandte sich mit einem leisen Seufzen wieder zum Eingangsbereich um. Gerade noch rechtzeitig um zu sehen, wie die schwere Holztür knirschend ins Schloss fiel. Damit saß sie wohl vorerst hier fest. Erneut sah sie sich im Raum um, in der Hoffnung, hier irgendetwas übersehen zu haben, als ein Schatten über den Boden huschte. Überrascht hob Sumiyaka ihren Blick zum Fenster und entdeckte einen weiteren grimmig drein schauenden Eingeborenen, der bewaffnet auf sie herab blickte. So wie es aussah, wurde sie also bewacht. „Das war zu vermuten“, bestätigte sie sich in Gedanken. Der Raum selbst blieb, wie es der erste Eindruck bereits versprochen hatte, leer.

Mit einem erneuten Seufzen ließ sich die Sheruta im Schneidersitz nieder. Noch immer trug sie ihre Ausrüstung, die Waffen und auch ihren Rucksack, bei sich. Ihr Begleittrupp hatte keinerlei Anstalten gemacht, etwas davon an sich nehmen zu wollen. Was das wohl zu bedeuten hatte? Sie wusste es nicht. Doch hatte sie den Eindruck gewonnen, dass die Eingeborenen keine allzu große Gefahr in ihr sahen. Zu lax waren sie neben ihr her gelaufen, zu gedankenlos trugen sie ihre Waffen in den Händen, während sie sie hätten bedrohlich auf die Sheruta richten sollen. Doch wenn Sumiyaka ehrlich war, wirkte ihr Äußeres nicht nur wenig bedrohlich, auch sie selbst hatte mittels ruhigen Bewegungen und ihrem freundlichen Auftreten alles daran gesetzt, möglichst ungefährlich aufzutreten. Es hatte gewirkt. So saß sie jetzt, inmitten eines leeren Raumes, umgeben von schweren Holzwänden und ließ ihren Kopf sinken. Langsam schlossen sich ihre Augen und in ihrem inneren Geist lösten sich Bilder von kämpfenden Menschen. Kämpfe aus ihrer Vergangenheit stiegen in ihr empor, vermischten sich mit Schlachten von denen sie nur gehört oder gar gelesen hatte und strudelten in ihr durcheinander. Menschen kämpfen. Ja. Sie müssen stets um etwas kämpfen. Sei es um ihr Land, für Freunde, aus Rache oder schlimmer noch, für Macht. Nur selten war der Grund des Kampfes der, Leben zu schützen. Auch wenn dies fast immer auf den Wimpeln der Schlachtzüge geschrieben stand. Nein, Kampf bedeutete immer Tod und Verderben, das hatte die Medic bereits oft genug mit ansehen müssen. Kampf bedeutete Schmerz. Doch die, die sich gegen den Kreislauf der Macht stellten, diejenigen, die beschlossen nicht zu kämpfen und ihr Haupt zu beugen; statt Aug’ um Aug’ zu kämpfen, auch noch die andere Wange hin zu halten. Diese wurden zumeist als erste hingerichtet. Als Mahnmal für all jene, die es wagten aus dem Todeskreislauf zu entrinnen. Wollte man sich also davon zurück ziehen, wollte man die Menschen davon überzeugen mit dem Kämpfen aufzuhören, so musste man dazu in der Lage sein, sich selbst zu schützen. Dies sollte die wahre Form einer Kampfkunst sein. Sie musste dem Frieden und der Überwindung von Gewalt dienen und durfte Konflikte nicht zusätzlich schüren. Sie musste jedoch eine Verteidigung gegen weniger friedfertige Zeitgenossen ermöglichen, ohne diese zu verletzen. Um auch dem letzten klar zu machen, dass es auch friedliche Lösungen zur Konfliktbereinigung gab.

Während Sumiyaka so da saß und ihre Gedanken sich beruhigten, der wirre Strudel sich langsam zu einem ruhigen Fluss wandelten, sah sie vor ihrem geistigen Auge erneut die Inselbewohner, wie sie auf der Plattform in luftiger Höhe ihre Taijutsuübungen machten. Sie erhob sich fast ohne es selbst zu spüren, ließ dabei jedoch ihre Augen geschlossen. Auch ihr Kopf war noch immer leicht gesenkt, als sie ihre Arme hob und die Bewegungen in ihrer Erinnerung nun blind nachahmte. Dabei bewegte sie sich nahezu in Zeitlupe, ohne ihren Körper in die Spannung zu versetzen, die bei einer Kampfkunst benötigt wurde, um Schaden zu verursachen oder diesen abblocken zu können. Stattdessen verflossen ihre Bewegungen wie bei einem langsamen Tanz ineinander, lösten sich wieder voneinander und verwebten sich erneut zu einem Tanz der dem voran gegangenen nur noch ähnelte. Sah man genau hin, so erkannte man die grundlegenden Bewegungsabläufe, denen die Inselbewohner bei ihren Übungen gefolgt waren. Sumiyaka ließ sie in ihrem Geist immer und immer wieder ablaufen, verfolgte sie mit ihrem Verstand und ihrem Körper gleichermaßen und begann das Verständnis für diese Bewegungen, das sie über all die Jahre erlernt hatte, zu verinnerlichen. Sie sah die Kraft mit der ein Schlag ausgeführt wurde, die Energie, die hinter einem Tritt stand und ihr wurde klar, dass sie genau wie im Leben selbst, auch im Kampf diesen Kräften nicht frontal gegenüber treten konnte. Nicht durfte, ohne gleichzeitig ihrem Pfad der Zerstörung zu folgen. Stattdessen galt es, daran vorbei zu gleiten, die weiche Struktur des Kreises zu nutzen und die angewandte Kraft des Gegners umzuleiten. Sie dem Raum zurück zu geben und die Sphäre des Gegenübers ins Wanken zu bringen. Ihr Atem ging ruhig und während sie ihren Übungen weiter folgte, vertiefte er sich mehr und mehr. Ihre Lungen füllten sich mit Sauerstoff, konzentrierten ihn und gaben ihn reichhaltig ins Blut über. Sumiyaka spürte, wie ihr Verstand wacher wurde, während mehr und mehr Ruhe in ihren Körper einkehrte. Befreit vom Druck ihrer Umwelt atmete sie tief und begann nun die Bewegungsabläufe in ihrem Geist rückwärts ablaufen zu lassen. Gleichsam folgte auch ihr Körper den Bewegungen rückwärtig. Sie begann am Schlusspunkt, nahm die Bewegung eines Schlages oder Trittes auf und führte ihn zurück zu seinem Ausgangspunkt.

Dies war der Moment an dem sie spürte eintreten zu können. Während sich bei einem Kampf die Sphären der Kontrahenten nebeneinander bewegten, auf der Suche nach einem Punkt an dem sie miteinander kollidieren konnten, gab es einen Punkt an dem man in die Sphäre des Gegners eintreten konnte, sich ihm so weit nähern konnte, um ihn in seinem Fluss zu stören und eine erneute Angriffswelle zu unterbinden. Schaffte man es, sich derart in dem Fluss des Anderen zu positionieren, so würde dieser unweigerlich zurück weichen. Das eigentliche Ziel, einen Angriff zu beginnen, war damit gestört. Und selbst wenn der Geist, der Wille des Gegenüber so stark war, dass er sich derart beherrschen konnte und nicht zurück trat, so würde es ihm nicht möglich sein, sich ausreichend frei zu bewegen, um seinen ursprünglich geplanten Angriff zu vollenden. Erneut spulte sie die Sequenz eines Angriffes in ihrem Kopf langsam zurück, bis zu dem Punkt an dem er begann. Als sie diesen abgepasst hatte, trat sich in ihrem Geist und ebenso in dem leeren Raum, auf den Gegner zu und unterbrach damit den folgenden Angriff. Sumiyaka spürte mit jeder Faser ihres Körpers, dass sie auf dem richtigen Weg war, um etwas zu entwickeln, das sich der Gewalt nicht entgegen stellen würde, sondern dazu in der Lage war, diese negativen Energien umzuleiten, um schlussendlich vielleicht ewas gutes schaffen zu können.

Eine leichte Anspannung breitete sich in ihrem Körper aus. Deshalb ließ sie ihre Arme sinken und öffnete die Augen. In dem Raum um sie herum herrschte Dämmerlicht, doch durch den fast tranceähnlichen Zustand, in dem sie sich noch vor einem Augenblick befunden hatte, waren ihre Augen empfindlich und so blinzelte sie ins Licht der Sonne, die vorsichtig durch das Deckenfenster herein schien. In den kargen Sonnenstrahlen, die sich durch den Raum zogen, nahm sie nun erstmals die feinen Staubkörnchen wahr, die durch die Luft tanzten und die Sonne reflektierten. Vermutlich hatte die Sheruta den Staub aufgewirbelt, während sie mit geschlossenen Augen durch den Raum geschritten war. „Dieses Gebäude macht also nicht nur einen verlassenen Eindruck, es wurde, nach dem ganzen Staub zu urteilen, auch schon seit geraumer Zeit nicht mehr genutzt“, stellte Sumiyaka für sich fest. Sie war froh keine Stauballergie zu haben und auch durch das Affenhaus in Kumogakure recht gefeit vor Schmutz und anderen Dingen zu sein. Mit einem leisen Lächeln ging ihr durch den Kopf, „ansonsten würde ich hier wohl aus dem niesen gar nicht mehr heraus kommen.“ Mit in den Nacken gelegten Kopf wandte sie ihr Gesicht nun erneut dem Oberfenster zu. Wenn sie ehrlich war, fand sie den Anblick sogar schön. Über ihr breitete sich das Grün des Waldes aus und nur einzeln verirrte sich ein Lichtstrahl vom Himmel dort hindurch und zu ihr herab. Wäre sie nicht hier gefangen, hätte sie hinaus gehen können, in das Grün des Waldes und wäre umgeben gewesen von allerlei tropischen Pflanzen. Ein Traum für jeden Medic. Doch stattdessen saß sie hier fest. Würde sie sich ernsthaft bemühen, sollte es ihr ein leichtes sein aus diesem ‚Gefängnis’ zu entrinnen. Aber ihre Neugier hielt sie an Ort und Stelle. Bevor sie hier verschwand, wollte sie zumindest mit ihnen, den Inselbewohnern, gesprochen haben.

Eine leichte Drehung aus dem Stand heraus ließ sie den Ofen in der Mitte des Isolationsraumes umkreisen und erneut lächeln. „Immer an der Energie vorbei, sonst verbrennt man sich die Finger“, kicherte sie in sich hinein. Ihre Finger strichen dabei über den erkalteten Ofen und hinterließen silbrig glänzende Streifen im graubraunen Staub. Kurz ging sie, einem Impuls folgend, in die Hocke und blies anschließend kräftig über die Oberfläche des Ofens. Unmittelbar darauf erhob sich eine Staubwolke unerwarteten Ausmaßes und Sumiyaka begann nun doch zu husten. Die leicht geschlossene Hand vor dem Mund hustete sie den eben eingeatmeten Staub wieder aus und wirbelte dabei nur noch mehr Staub auf. Deshalb erhob sie sich nun wieder, kaum dazu in der Lage bei all dem herum fliegenden Dreck etwas sehen zu können. Erneut kicherte sie, doch dieses mal nicht in sich hinein, sondern deutlich hörbar. Es war schon eine Farce. Nachdem ihr Land buchstäblich in die Luft geflogen war und sie sich auf gemacht hatte eine sichere Unterkunft für die geächteten ihres Landes und die Jinchuuriki zu finden, war sie hier gelandet. Einige Inselbewohner hatten sie wenig enthusiastisch gefangen genommen und statt Klartext zu reden, hatte sie sich mitführen und in diesen Raum führen lassen, in dem sie nun herum tänzelte und wie ein kleines Kind den Staub von der Inneneinrichtung blies. Als ob dies die Welt verändern könnte.

Nein, das herum wirbeln von Staub würde wohl kaum die Welt verändern. Doch wenn sie selbst ein wenig mehr herum wirbelte, könnte sie vielleicht ein klein wenig Veränderung herbei führen. So schloss sie erneut die Augen, begann ruhig und tief zu atmen und sich von der Last die sie begann zu umschließen zu befreien. Und sogleich beschwor sie die Bilder eines Kampfes herbei, der bereits viele Jahre zurück lag. Damals befand sie sich selbst, wie so oft, auf der Lauer und in sicherem Abstand zum eigentlichen Kampfgeschehen. Genug Zeit um die Bewegungen des Gegners zu studieren. Dies war wichtig, denn wusste man nicht wie sich der Gegner bewegte, so würde es schwer sein eben diesen Bewegungen entrinnen zu können. Und das musste sie, denn es galt zu jedem Zeitpunkt fitt zu sein und den Gefährten helfen zu können.

Nun jedoch stand etwas anderes im Mittelpunkt. Während sie sich erinnerte, war es weniger wichtig, sich nicht zu verletzen. Wie hätte sie eine Erinnerung auch verletzen können? An diesem frühen Nachmittag galt es eher, die Bewegungen zu verfolgen, um ihnen entgehen zu können. Erneut drehte sich Sumiyaka um den Standpunkt des Ofens herum. Zwar sah sie diesen nicht mehr, doch wusste sie wo er stand. Genauso wie sie wusste, wie sich der Kampf von damals entwickeln würde. Sie kämpften gegen zwei mehr als ehrgeizige Taijutsuspezialisten, die immer wieder in schnellen Angriffen vorstießen, den Kameraden keine Ruhe gönnten und die Zügel suchten fest in der Hand zu halten. Lang konnten sich die Teammitglieder von Sumiyaka lediglich mehr schlecht als recht verteidigen. Immer wieder gelang es ihnen nicht einen heran rollenden Angriff nicht abzufangen. Sumiyaka wandte sich noch einmal um. „Tenkan, der Schritt nach außen“, hallte es kaum vernehmbar durch ihren Geist, wie ein Nebelschleier der sich am Morgen durch das Tau benetzte Gras schlängelte, „eine Bewegung die mit der Situation und der milden Strategie des Verteidigers besser übereinstimmte und im Einklang mit der Angriffsbewegung des Gegners steht.“ Dabei würde der Angreifende in die Peripherie der Sphäre des Verteidigers geraten. Man würde sich das ganze wie zwei Kontrahenten vorstellen können, die durch ein imaginäres Seil miteinander verbunden waren - der Angreifer am einen Ende und der Verteidiger am anderen. Ähnlich wie die beiden Gegner damals würde der Angreifer stets versuchen die Zügel in seinen Händen halten zu können. Daran ziehen und mit Kraft dem Anderen entgegen streben. Der Schritt des Angriffs würde direkt gegen den Angegriffenen steuern, stets das Ziel im Blick. Denn ein bewusstloser, verletzter oder gar toter Gegner würde keine Gefahr mehr darstellen. Dieser jedoch, wenn er sich seitlich nach vorn bewegte, fast zu der Position, von der aus der Angreifer begann, konnte nun das imaginäre Seil „erneut spannen“ und die Kontrahenten hätten lediglich den Platz gewechselt. Aber die Dynamik der Bewegung wäre derart, dass es nicht erneut zwei Sphären mit je einem Zentrum geben würde. Nein. Stattdessen geriete der Angreifer in die Peripherie des Angegriffenen und würde so selbstverständlich herumgeleitet werden, so wie die Planeten um die Sonne kreisten.

Dies beruhte vor allem darauf, dass der Verteidiger zusah, wie die Bewegung nicht nach dem Angriffsschritt aufhörte, sondern sich in einem Bogen fortsetzte. Sumiyaka erinnerte es an ein störrisches Pferd in der Manege - es wurde mit dem Zaumzeug gezwungen, in der Peripherie des Kreises des Dresseurs zu verbleiben, anstatt in seiner eigenen Sphäre verharren zu können. So würde auch der Gegner durch seine angeborenen Instinkte und durch logische Bewegungsabläufe in diese Kreisbewegung hinein gezogen werden, in der er auf diese Weise gefangen sein würde. So bewegte sich Sumiyaka durch den Raum, änderte die Struktur des damaligen Kampfes und verknüpfte sie neu, bis sie ihr Dressurseil vollendet hatte. Während sie das Szenario noch einmal im Kopf durchspielte, folgte sie den Bewegungsabläufen des damaligen Gegners. Dabei vollführte sie seine Bewegungen erneut langsam, fast wie in Zeitlupe und ahmte sie dadurch nahezu perfekt nach. Leise ging sie dafür in die Hocke, streckte ihr rechtes Bein, während sie sich auf ihrem Linken drehte. Stück um Stück, bis sie bei ihrem Ausgangspunkt angelangt war. Dann wiederholte sie die Drehung wieder und wieder, während sie mit jedem erneuten Versuch die angewandte Geschwindigkeit weiter erhöhte. Auch di Tritthöhe variierte sie dabei. Durch die Geschwindigkeit und dem Energiegewinn der Drehbewegung, würde ein geglückter Tritt ermöglichen, dass der Gegner zu Boden fiele und dabei weggeschleudert werden würde. Ein wahrer Sturmwind, beherrschte man einmal die Technik. Zwar glaubte Sumiyaka nicht, dass sie diese Technik tatsächlich einmal einsetzen würde, doch konnte man etwas das man selbst beherrschte weitaus besser einschätzen, als etwas das man nur zu sehen bekommt.

Völlig im Einklang mit ihrem Training, war der Weg vom Sturm- zum Wirbelwind nicht weit und so begann die Sheruta die Tritte höher anzusetzen und dabei die Tritthöhe erneut zu variieren. Dieses mal jedoch in einem breiteren Spektrum als zuvor. Sie wusste, wenn ein Gegner derart herum wirbelte, war es schwieriger auszuweichen oder den Angriff gar zu kontern, da es schwerer war einen solchen Angriff überhaupt einschätzen zu können. Leicht schnaufend stellte sie ihre Übungen wieder ein, begab sich in Richtung Eingang und setzte sich erneut im Schneidersitz auf den Boden. Ihr Kopf sank langsam nach unten, neigte ihr Gesicht dem Boden zu, während ihr Kinn zwischen ihren Schlüsselbeinen ruhte. Ruhig ein und aus atmend schloss sie die Augen und ließ sich das Senpū nach. Gerade noch hatte sie eine Angriffstechnik trainiert, die sie vermutlich niemals anwenden würde. Gerade noch hatte sie darüber nachgedacht, wie schwierig es war, eine Technik einzuschätzen, zu blocken oder gar zu kontern, die man durch ihre vielfältigen Variablen derart schwer einschätzen würde können. Doch war das wirklich so? Konnte man diese Technik wirklich so schwer unterbinden? Nein, das war es nicht. Die Technik hatte eine erhebliche Schwäche. Sumiyaka atmete tief durch. Es klang beinahe wie ein trauriges Seufzen. Doch Trauer fühlte die Sheruta keine. Stattdessen war sie zutiefst konzentriert. Sie sammelte ihr Wesen in der Mitte ihres Seins und ließ die Bilder vor ihrem geistigen Auge ablaufen. Dabei fügte sich beinahe wie von selbst ihr Geist zu ihrer Erinnerung hinzu. Er stand vor ihr, wie der zuvor erdachte Gegner, mitten im Einzugsgebiet des Wirbelwindes. Er zeigte keinerlei Furcht, keinerlei Reaktion. Nicht ein Muskel schien zu zucken. Stattdessen lächelte der Geist Sumiyakas lediglich zu der Erinnerung der Sheruta herüber. Er wartete. Wartete geduldig darauf, dass die Erinnerung angriff. Und das tat sie auch. Was hatte sie für eine andere Wahl? War sie doch nur das Abbild der Vergangenheit. Wie sollte man die Vergangenheit verändern können? Sumiyakas Gedanken drohten zu entgleiten, sich der Vorstellung von Zeitmaschinen und derlei abstrusen Fantasien hinzugeben. Kurz zuckte ihr Kopf ein Stück zur Seite. Da war sie wieder. Ihr Atem der eben noch begann schneller zu gehen, beruhigte sich wieder, ihre Nackenmuskulatur die sich zu spannen drohte, ruhte nun, wie bereits zuvor.

Und schon trat die Erinnerung auf ihren Geist zu. Fast wie in Zeitlupe sah sie, wie sie während ihres Trainings das Bein hob, der erste Tritt. Dabei verlagerte sie ihr Gewicht auf das Standbein. Die Schwäche. Es war nicht einmal das Standbein selbst, das man als Schwäche bezeichnen konnte. Selbst wenn man es stetig wechselte, könnte man die Schwäche nicht vertuschen. Denn der Schwerpunkt des Körpers selbst war seine Schwachstelle. Unabhängig davon, wie man sich bei einem Angriff bewegte. Um Kraft, Energie, in den Angriff legen zu können, unabhängig davon ob diese Angriffsenergie in der Geschwindigkeit des Menschen lag, oder in seiner körperlichen Kraft selbst, er würde dafür seinen eigenen Schwerpunkt aus dem Gleichgewicht bringen müssen und ihm den Gegner, seinem Opfer, entgegen drängen. Dies war der Augenblick des Eingreifens. Der Moment der Schwäche, dem sich jeder Angreifer hingab, sobald er einen bestimmten Punkt überschritt. Wollte man ihn aufhalten, den Angriff unterbinden, so lag die Kunst darin, genau diesen Punkt zu sehen, ihn voraus zu ahnen und einzuschreiten. Der Geist setzte sich in Bewegung. Doch anders wie man es bei einem Konter vielleicht erwarten würde, bewegte er sich von der angreifenden Erinnerung weg. Denn er wollte nicht selbst angreifen. Nichts lag ihm ferner. Stattdessen begann er sich in einer kreisförmigen Bewegung um den Angreifer herum zu bewegen. Damit gelang es, dem anstehenden Angriff zu entkommen und gleichsam einen defensiven Gegenangriff einzuleiten. Auch wenn sich Defensive und Angriff stets widersprachen, so war diese Technik wohl das, was einer Komposition der beiden am nächsten kommen sollte. Der Geist ergriff im vorbei gleiten das Bein, nutzte dabei den Schwung des Angreifers und zog diesen in die eigene Drehbewegung hinein. Der Schwerpunkt des Angreifers kippte und somit auch sein Körper. Sogleich zerriss die Erinnerung der Sheruta und setzte sich zu neuen Bildern zusammen. Sumiyaka, die Angreifende, ging zu Boden. Ihr Geist stand, ohne großartigen körperlichen Anstrengungen erlegen gewesen zu sein.

Wie in Trance erhob sich die Sheruta – die echte Mukiwara Sumiyaka. Langsam hob sich ihr Kopf. Doch blieben ihre Augen geschlossen. Ihre Arme hoben sich, ihr Körper setzte sich in Bewegung und glitt in kreisförmigen Bewegungen durch den Raum. „Jeder Körper nutzt Energie für seinen Angriff“, ging es durch ihren Kopf. Es war gleich, woher diese Energie rührte. „Chakra, Geschwindigkeit, Muskelkraft.“ Das Resultat war das gleiche. Würde man dieser Energie auf herkömmliche Art und Weise begegnen, sie stoppen wollen. So würde man eine mindestens gleichgroße Energie aufbringen müssen. Ja, sie gar übertrumpfen, um die Oberhand gewinnen zu können. So war es immer. Schickte ein Land Truppen in den Kampf, so mussten die folgenden Truppen größer und stärker sein. Galt es einen Gegner zu besiegen, musste man über ihn triumphieren – ihn einstampfen – dem Erdboden gleich machen. Macht. Wer die größere Macht hatte, dazu in der Lage war die größte Kraft aufzubringen, würde siegreich sein. Und immer wieder würde es jemanden geben, der noch mehr Energie vermochte einzusetzen. Mit einem Mal riss es Sumiyaka aus ihrer Geisteswelt. Ihr war schwindelig und sie torkelte zu einer der Wände ihres Gefängnisses. Mit der Linken stützte sie sich an der Wand ab, während sie sich vorn über gebeugt mit der rechten Hand auf ihrem Knie abstützte. Geräuschvoll begann sie zu würgen. Dabei krampfte sich ihr Magen schmerzhaft zusammen. Ihre Hände krallten sich in Wand und Knie, während ihr Oberkörper sich in Krämpfen weiter nach vorn beugte. Trocken stieß sie auf, doch übergab sie sich nicht. Zu lang war es her, dass sie etwas zu Essen zu sich genommen hatte und zu kurz war das Aufbäumen ihres Körpers gewesen. Vorsichtig richtete sie sich auf, versuchte die Bilder die sie durchflutet hatten abzuschütteln. Die Bilder der Einwohner ihrer Heimat, all jene die sie nicht vermocht hatte zu retten. Trotz dem Einsatz Niwatoris. Die Menschen die gestorben waren, weil es eine größere Macht gegeben hatte, wie sie glaubten selbst zu besitzen. So wie es immer eine größere Macht geben würde. Immer.

Erschöpft ließ sich Sumiyaka an die Wand sinken, lehnte ihren Kopf daran und murmelte vor sich hin, „dieser Kreislauf muss unterbrochen werden. Wie sollen wir sonst die Jinchuuriki schützen? Wie können die Bewohner Kamikakuchis sonst jemals in Frieden leben?“ Entschlossen stieß sie sich von der Wand ab, an der sie bis eben och gestanden hatte. Sie schritt in den Raum und blieb abermals mittig davon stehen. Sie konnte einen Angriff unterbinden, indem sie auf einen Gegner zu trat und ihm so den Raum nahm um überhaupt auch nur seinen Angriff zu starten. Kam sie dafür zu spät, würde sie seine Energie in ihre Kreisbahn lenken können und ihn damit aus seiner Mitte reißen. Doch gab es auch noch eine andere Möglichkeit. Beim Konter eines Schlages würde sie einen Schritt auf den Angreifer zu treten müssen. Zwar konnte man auch hier in einer kreisförmgen Bewegung um den Gegner herum gleiten können, doch wurde bereits den Jüngsten auf der Akademie eingebläut, dass auch die beste Technik überwunden werden konnte, wenn man sie immer wieder stur hintereinander ausführen würde. Auch hier galt es, genauso wie beim Wirbelwind, die Variation brachte den Sieg. Und der Sieg bestand hier und jetzt, für das künftige seelische Wohl der Sheruta, ihren Gegner davon zu überzeugen nicht zu kämpfen. Den Kreislauf der Zerstörung zu durchbrechen und friedfertig mit seinen Mitmenschen umzugehen. Doch dafür würde sie seinen Kampf, seinen Angriff stören müssen, ohne ihn dabei schwer zu verletzen oder gar zu töten. Deshalb würde die Begegnung nicht konfrontativ erfolgen. Sondern vielmehr in Form eines Dreieckes. Wenn der Angreifer die Grundlinie des Dreiecks darstellte, so wäre der erste Schritt Sumiyakas eine der Seiten des Dreiecks. Also würde die Technik niemals gegen die Kraft erfolgen dürfen, sondern stets neben sie. Durch den Schritt nach vorn würde sie nun den Weg zwischen sich und dem Angreifer verkürzen und so dafür sorgen, dass sie den Schlag würde abfangen können, bevor dieser an seinem eigentlichen Aufschlagspunkt ankommt.

Mittlerweile wieder vollends konzentriert und zurück gezogen in ihre geistige, ja spirituelle, Welt, begegnete sie dem Angreifer mit dem jeweils gegenüber liegenden Arm des Angriffsarmes. Während die Angriffsenergie des Gegners nach vorn gerichtet sein würde, führte Sumiyaka den eigenen Arm seitlich am Unterarm des Angreifers entlang und schob diesen zur Seite und nach unten weg. Nun folgte Schritt zwei, bei dem sie sich hinter den Gegner stellt, die freie Hand an das Genick des Gegners legte und durch leichten Druck seine Rotationsbewegung, die er durch die Ableitung seines Schlages inne hatte, weiter leitete, bis er sich erneut zu ihr umgewandt hatte. Mit der Eintrittsbewegung Irimi konnte nun ihre Hand direkt ins Gesicht des Angreifers geführt werden. Dessen reflexartiger Fall auf den Rücken würde unweigerlich folgen. Und das beste an der Sache war, dabei würde nicht einmal eine direkte Berührung stattfinden müssen. Der Schreck aufgrund der gleichzeitigen Vorwärtsbewegung des Angreifers und von ihr, des Verteidigers, wäre ausreichend, den Gegner aus dem Gleichgewicht und zu Fall zu bringen. Durch diese Technik würde der Angreifer nicht verletzt werden.

Ein leises Lächeln zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, während ein Luftzug der von dem Luftloch in der Decke kam, ihren durchnässten Rücken kühlte. Gedankenverloren wischte sich Sumiyaka den Schweiß von der Stirn. Erneut seufzte sie. Vorerst war ihr Training fast beendet. Doch nur fast. Eines hatte sie noch zu erledigen. Denn sie musste noch etwas ausprobieren. Nämlich ob es ihr tatsächlich möglich sein würde, Geschwindigkeitsenergie mit ihrer Kraft zu kombinieren und in Durchschlagsenergie umzuwandeln. Kurz sah sie sich um. Ja, der Raum war groß genug für ihren Feldversuch. Gerade noch so.

Eben noch friedvoll lächelnd stand die Sheruta mitten in dem leeren Raum, als sie von einer Sekunde auf die nächste begann wie wird durch den Raum zu sprinten. Immer wieder sprang sie dabei, führte einen Kick in der Luft aus, landete an irgendeiner Wand, stieß sich ab und versuchte es erneut. Immer wieder führte sie ihren Sprungkick gegen einen nicht existierenden Gegner aus. Sie rannte, sprang, rannte, sprang. Ein weiterer Kick folgte, sie rannte weiter, sprang erneut, hob ihr Bein und schaffte es diesmal, nach unzähligen Versuchen. Ihre Geschwindigkeit und ihre Angriffskraft, die gelinde gesagt ernüchtern war, verschmolzen und ihr Sprungkick ging mitten durch – die Eingangstür. Etwas verdutzt stand Sumiyaka nun zwischen zerborstenem Holz und den beiden Wachmännern, die für sie vor der Tür abgestellt worden waren. Entschuldigend grinste die Sheruta die beiden Männer an, die sie ungläubig anstarrten. Gerade als Sumiyaka sich zurück ins Innere des Isolationsraumes bewegen wollte, vernahm sie ein Räuspern hinter sich. Als sie sich umwandte, erkannte sie den Mann, dem sie vor einiger Zeit am Waldboden begegnet war und der sich mit dem verletzten Jungen aus dem Staub gemacht hatte. Noch immer hatte Sumiyaka das Gefühl, der Mann würde einen hohen Rang innerhalb des Dorfes, vielleicht sogar auf der Insel begleiten. Doch konnte sie es noch immer nicht mit Bestimmtheit sagen. Was sie jedoch sagen konnte war, dass er ihr zu verstehen gab, ihm zu folgen.


Trainingspost
Wörter: 5615 / 3815


trainierte Jutsu
Gikō no Hanareru (die Kunst sich loszulösen)
Nobiyaka na Kokyū (befreites Atmen)
Irimi: Sekkin (Innerer Schritt: Annäherung)
Tenkan: Kenmai (Äußerer Schritt: Kreistanz)
Tenkan: Nage (Äußerer Schritt: Werfen)
Irimi: Nage (Innerer Schritt: Werfen)
Entorī (Angriff)
Reppū (Sturmwind)
Senpū (Wirbelwind)

Mukiwara Sumiyaka

Re: [Fukigakure] Isolationsraum

Beitragvon Mukiwara Sumiyaka » Do 7. Apr 2011, 14:11

Der noch immer namenlose Mann gab ihr zu verstehen, dass sie ihm folgen solle. Sumiyaka warf noch einmal einen Blick in den Isolationsraum. Dort flogen, im herein fallenden Deckenlicht gut sichtbar, die Staubwölkchen durch die Luft. Neben dem Ofen in der Mitte des Raumes, war jedoch nichts weiter zu sehen. Ihr Blick glitt über die zerborstene Tür und erneut stieg eine leichte Röte in ihr Gesicht. Das hatte sie nicht beabsichtigt. Geschehen war jedoch geschehen und so wandte sie sich ab und folgte dem Fremden. Dieser führte sie, wie die Eingeborenen vor ihm, durch das Dorf. Dieses Mal jedoch wurde sie nicht von unzähligen Männern begleitet, die bis an die Zähne bewaffnet waren. Lediglich der Schwarzhaarige schritt vor ihr her. Er schien es dabei nicht einmal als nötig zu erachten, sich hin und wieder zu ihr umzudrehen und sich zu versichern, ob sie ihm folgte oder gar Anstalten machte, ihn zu attackieren.

Ihr Weg führte sie dieses mal weit ins Innere des Dorfes. Wo die Einwohner der Insel zuvor noch darauf bedacht waren, ihr nicht zu viel ihrer Heimstädte zu offenbaren, schien dies jetzt nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Wenn überhaupt. Sumiyaka war irritiert. Was hatte das zu bedeuten? Mit zügigem Schritt verringerte sie mehr und mehr den Abstand zu ihrem Vordermann. Sie hätte gern eine Unterhaltung mit ihm begonnen, um mehr über ihn und sein Volk zu erfahren. Doch waren die Hängebrücken zwischen den Baumhäusern zu schmal, als das sie gut neben ihm hätte laufen können. Breitere Brücken wären vermutlich zu auffällig gewesen und hätten vom Boden aus gesehen werden können. So begnügte sich die Sheruta hinter dem Eingeborenen herzutrotten. Seine pechschwarzen Haare waren ihr bereits bei ihrer ersten Begegnung aufgefallen. Sie fielen ihm achtlos ins Gesicht und reichten ansonsten bis auf seine Schultern herab. Seine Kleidung glich die der Anderen – naturfarben, bequem und funktional. Ein wahres Naturvolk. Der Fremde war hoch gewachsen. Mindestens 1,90m, wenn sie sich nicht verschätzte und von muskulöser Gestalt. Danach zu urteilen, war er vermutlich auf die Tai Künste spezialisiert. Ganz sicher konnte man so etwas jedoch nie sagen.

Es dauerte auch nicht lang und Sumiyakas Geduld wurde belohnt. Der Schwarzhaarige hielt vor einem der Baumhäuser. Es war größer als das Haus mit dem Isolationsraum, in dem sie zuvor untergebracht worden war. Und es war mit Baumblüten und verschiedensten Ranken geschmückt. Stellenweise konnte Sumiyaka kleine Verzierungen, eingeschnitzt im Holz, erkennen. Der Fremde drehte sich zu ihr um und meinte, „der Alte möchte dich sprechen. Sprich wahr und verärgere ihn nicht, sonst wird es dir schlecht ergehen.“ Die Warnung in seiner Stimme war unüberhörbar. Dann öffnete er die Tür und ließ Sumiyaka eintreten. Er selbst folgte ihr kurz darauf.


TBC - [Fukigakure] Baumhaus des Ältesten


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