CF:
BibliothekMeigetsu schien tatsächlich voll in seinem Element, was Noctiris irgendwo freute. Denn so hatte sie doch etwas gefunden, was ihm tatsächlich mehr lag. Er hatte sogar die Idee, ihr eines seiner Jutsus beizubringen. Die ehemalige Hohepriesterin lächelte zufrieden.
Sehr gerne. Wir schauen, wo uns dieser Weg gemeinsam hinführen wird. sagte sie bedeutungsschwer. Doch sie musste das Ganze für jetzt direkt ablehnen. Denn sie hatte noch ein bisschen etwas zu tun und musste sich auch noch fertig machen, für das gemeinsame Essen mit Seiji. Auch wenn Meigetsu erst sagte, sie müsste ihn nicht erinnern, kratzte er sich am Ende doch am Hinterkopf und räumte doch die Bitte ein, dass sie ihm eine Nachricht zukommen lassen würde.
In Ordnung. Das werde ich tun. sagte sie. Sie hatte, unter diesen Umständen, kein Problem, ihm zu schreiben. Denn hier waren sie in eine Rolle aus Lehrender und Lernende gerutscht. Und auch, wenn Meigetsu es tun sollte, um seine Schuld zu begleichen, so sah Noctiris sich hier in der Verantwortung, aktiv das Wissen einzufordern, welches sie haben wollte. Somit war es für sie kein Problem, ihm eine Nachricht zu schreiben. Es ging hier nicht (mehr) darum, die Nähe des jeweils anderen einfach nur genießen zu können. Auch wenn es ironisch war, hatte Meigetsu doch einst noch zu ihr selbst gesagt, wie schade es wäre, wenn sie ihn vergäße. Und am Ende war er es, der sie einfach links liegen ließ... . Doch dieses Thema hatte einen Abschluss zu der keimenden Bindung zwischen den beiden gebracht, die vielleicht mehr hätte werden können, als eine bloße Bekanntschaft. Vielleicht Freundschaft? Vielleicht etwas ganz anderes? Doch Noctiris hatte sein Sieb, welches er wohl Kopf oder Gehirn nannte, als Zeichen der Götter gewertet. Es sollte nicht sein. Ebenso, wie es mit Takeo der Fall war, der sie bis heute nicht mehr kontaktiert hatte. Und so blieb nur ein Mann, der gerade jetzt wohl (hoffentlich) eine schöne, gemeinsame Verabredung vorbereitete. So wie er es auch beim letzten Mal getan hatte. Ein Mann, der sich in ihrer gemeinsamen Arbeit zusammen sogar gemerkt hatte, wie sie ihren Kaffee am liebsten trank und der sich ungefragt sogar die Mühe gemacht hatte, sich selbst Teile der aegischen Sprache anzueignen. Ja, vielleicht wollten die Götter sie wirklich mehr in diese Richtung führen. Denn hätten die Götter gänzlich gegen all diese Dinge etwas... dann hätten sie sicherlich auch einen Weg gefunden, ihre Verbindung zu Seiji zu stoppen. Vielleicht hätte es dann bei ihrer ersten Verabredung geregnet, sodass alles buchstäblich ins Wasser gefallen wäre? Wer weiß. Doch nichts dergleichen war bisher passiert. Noctiris hingegen wusste nicht, auf was oder wen sie sich mit Seiji vielleicht einließ. Ein Mann, der sprichtwörtlich auf mehreren Hochzeiten tanzte. Ein Mann, der noch verheiratet war, ohne das es eine buchstäbliche Trennung zu seiner Frau gab, welche er noch immer suchte. Ein Mann, der auch mit der Direktorin anbänzelte und mit ihr sehr intim geworden war. Ein Mann, der sich nicht nur bei der ehemaligen Hohepriesterin solche Mühe gab, wobei es bei Noctiris vielleicht leichter war, sich solche Mühe zu geben und zu beeindrucken, weil sie es gewohnt war und weil sie mehr Spielraum bot. Teures Essen, eine alte Kultur, eine andere Sprache. Alles Dinge, auf die man leicht anspringen konnte und sich Mühe geben konnte. Doch wenn Noctiris wüsste, was bei Seiji alles im Hintergrund lief... dann wäre ihre Stellung ihm gegenüber vermutlich auch eine Andere. So verabschiedeten sich Meigetsu und Noctiris jedoch für diesen Tag und Noctiris begab sich zu ihrer Wohnung.
Die Frau ließ sich Zeit, um sich fertig zu machen und schließlich in einem
hübschen Kleid bei Seiji vor der Wohnungstür zu stehen. Es ging hier nicht nur um ein Treffen. Eine Verabredung und ein nettes Abendessen. Es ging vorallem darum, dass sich Noctiris seine Wohnung ansah und diese vielleicht übernehmen wollte. Seiji wollte dann wo anders unterkommen. Er hatte gemeint er bräuchte keine Wohnung. Vielleicht würde er auch eine andere nehmen. Noctiris hingegen "litt" sehr darunter, kein eigenes Komplettbad zu haben, wo sie sich auch waschen konnte. Desweiteren war sie nun ja auch irgendwo eine Magisterin, da stand ihr doch sowieso eine Wohnung zu, oder nicht? Nun, sie stand vor der Tür und klopfte. Lange dauerte es wohl nicht, ehe der Mann ihr die Tür öffnete. Auch er war heraus geputzt. Sie lächelte ihn an.
Guten Abend, Seiji. sagte sie als Begrüßung und würde er sie herein lassen, würde sie sich, ohne herum zu laufen, ein wenig umsehen. Ihr Blick fiel dann jedoch auch auf den gedeckten Tisch. Im Hintergrund lief ruhige Musik. Auf dem Tisch entdeckte sie jedoch den Fisch, von dem sie ihm zuvor erzählt hatte. Sie stockte kurz und sah den Mann dann überrascht an.
Hast du den Fisch tatsächlich bekommen? Der muss doch ein Vermögen gekostet haben. sagte sie. Und auch wenn sie eigentlich der Meinung war, dass sie so etwas verdient hatte, so hatte sie doch ein wenig ein schlechtes Gewissen, in anbetracht der Tatsache, dass eine Ressourcenknappheit herrschte eigentlich.