[align=justify]Noch immer brannte das Wasser. Es wirkte nun weniger kalt, da es so auf der Haut brannte. Soley spürte deutlich, wie sie diese eigentlich lächerliche Abschürfung schwächte. Ihr Arm wurde immer schwerer. Ohne das Wasser wäre es ihr nicht gelungen, den zweiten Körper an die Oberfläche zu ziehen. Soley tauchte keuchend auf und musste Husten.Die Luft drang eiskalt in ihre Lungen, weshalb sie noch schlimmer zu husten begann. Zunächst mussten Tränen in ihre Augen steigen, bis der Husten stoppte. Die Luft roch modrig, feucht, vielleicht nach Moos oder nasser Erde. Sanft und unscheinbar plätscherte das Wasser gegen das Ufer. Doch das schwarze Wasser verhieß nichts Gutes. Soley bewegte sich erschöpft mit ihrem dunklen Selbst hinaus aus dem Wasser. Sie benötigte lange dafür, doch es gelang ihr und stellte sie zufrieden. Mit einem leicht röchelndem Klang, war sich Soley sicher, dass kein Wasser in ihre Lunge gedrungen war. Leicht hatte sich die andere aber am Kopf verletzt. Soley legte ihren bewegungslosen Körper in sicherer Entfernung zum Ufer und strich ihr die langen nassen Haare aus dem Gesicht. Sie atmete leise und friedlich vor sich hin. Die Verletzung war nicht verheerend, also würde sie schnell wieder zu Bewusstsein kommen. Soley setzte sich erschöpft auf einen Felsbrocken. Gänsehaut breitete sich über ihre Haut aus, bei der Erinnerung an die zweite Begegnung mit ihr, als sie auf diesem Felsen saß. Ein eiskalter Schauer fuhr ihr den Rücken hinunter. Soley schüttelte sacht, aber ungewollte ihren Kopf, als könne sie damit das schlechte Gefühl abschütteln. Sie machte einen kleinen, federnden Hopser und stand wieder auf ihren Beinen. Ihr Blick wanderte nach oben an die Decke der Höhle. Der Mond schien hinein und hinterließ seinen kalten Schein auf dem dunklen, massiven Felsen. Die Decke dahingegen war keinesfalls so sicher und drohte immer mehr einzustürzen. Einige Felsklumpen waren erneut herunter gefallen. Soley bewegte sich auf den zu Boden fallenden Schein zu. Nachdenklich nahm sie einen kleinen Klumpen von der Erde. Er war feucht und roch stark nach Wasser. Noch immer in Gedanken versunken, rieb sie die Erde zwischen ihren Fingern. Sie überlegte, was dort oben war. Es war nicht unmöglich nach oben zu klettern. Warum war sie eigentlich hier und wieso hatte sie es dann nicht versucht? Mochte sie es hier? Beim letzten Mal wirkte ihre dunklere Seite beinahe etwas melancholisch, als sie auf dieses Loch zu sprechen kamen. Einige Stellen schienen wirklich dünn und unsicher zu sein. Doch nicht die ganze Decke war davon betroffen. Wäre ja auch unlogisch, denn irgendwie war diese Höhle schließlich auch entstanden. Soley fackelte nicht lange weiter, ehe sie sich zu einer Stelle an der Wand begab, die sich gut zum Klettern eignete. Sie leitete etwas Chakra in ihre Hände und Füße, um den Halt zu verstärken. Noch immer schwächelte ihr linker Arm, doch trat nur noch kaum Blut aus der Wunde. Die Kaguya wurde, je höher sie kam, aufgeregter. Es gefiel ihr, sich so wieder auslasten zu können, denn ein wenig anstrengend war es schon die recht steile Wand hinauf zu gelangen. Sicherlich hätte sie es sich einfach machen können und einfach mit Chakra in den Füßen hoch laufen können, doch sie bevorzugte diese altmodische Art. Ein Lächeln zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab. Ihr Blick war immer auf der Suche nach einem kleinen Vorsprung oder Vertiefung, die das weitere Klettern ermöglichten. An einigen Stellen floss ein winziger Strom Wasser hinunter, was die Angelegenheit kniffliger machte. Letztlich benötigte die Jonin aber nicht sonderlich lange. Besonders herausfordernd war dann die Stelle um das Loch herum. Doch eine Seite kam von den Felsen aus und mühelos erklomm Soley auch diesen Teil. Die frische Luft strömte hinein. Sie roch ebenfalls nach Wasser, aber anders.
Salz. Meer, schoss sofort eine Assoziation in die Gedanken der Kaguya. Zunächst einmal aber erblickte sie Grün im Licht des Mondschein. Es handelte sich um ein kleines Waldgebiet mit einer Lichtung. An dieser Lichtung endete die Dunkelheit der Höhle. Soley wandte den Kopf ein wenig, um hinter sich eine hohe Felswand zu erblicken. Mit einem letzten Schwung stieß sie sich an dem Rand des Loches hinauf auf die kleine Lichtung. Die leichte Brise war angenehm warm und neben dem salzigen Geruch, roch es frisch nach Wald, vielleicht ein wenig süßlich von den Nadelbäumen. Soley entfernte sich einen Schritt vom Loch und blickte kurz hinab. Sie erkannte nur Schemen und wandte schnell ihre Aufmerksamkeit woanders hin. Das Meer rief nach ihr. Die Freiheit. Gedanklich spürte sie schon den warmen Sand unter ihren Füßen. Das Lächeln auf ihrem Gesicht wurde immer breiter und fröhlicher. So trugen sie ihre Füße leicht und schnell in Richtung Strand. Das Rauschen der Bäume verriet, dass sie noch schliefen, doch die Möwen über dem Wasser schrien schon aktiv und wach. Irgendwann begann Soley leicht zu joggen, machte hier und da einen Satz über eine Baumwurzel und schlang sich manchmal zwischen zwei Büsche hindurch, ehe der Rand des Waldstückes und damit der Strand näher rückten. Soley verringerte ihr Tempo, spürte den Sand unter ihren Füßen. Die Brise war so angenehm erfrischend. Soley sog den Geruch des salzigen Wassers ein, schloss für einen Moment die Augen und genoss den Augenblick. Ihre Füße trugen sie weiter zum Wasser, doch war ablaufend. Am Himmel brach schon langsam der Morgen an. Rosa Wolken hingen am Himmelszelt, doch in der Ferne war es noch dunkelblau, gesprenkelt mit Sternen und dem schwächer werdenden Schein des Mondes.
"Hm", entwich es ihrem Mund genüsslich, bei dem Kitzeln des Windhauchs auf ihrer Haut. Die Wärme war so angenehm. Doch begannen die Gedanken mehr und mehr zu kreisen um das, worum Seiji sie gebeten hatte. Was passierte mit den Welten? Waren sie so unausgeglichen? Der Gedanke kam ihr nur, weil sie die Sterne kurz betrachtet hatte, nachdem sie das Meidou und Ansho kennenlernen durfte, welche Sabatea so liebte. Langsam, ohne sich umzudrehen, bewegte sich Soley einige Schritte aus dem Wasser hinaus, ehe sie sich umdrehte und den Weg zurück antrat. Das Licht tat ihr gut und sie würde es immer lieben, doch nun war es an der Zeit ihre Dunkelheit kennenzulernen. Soley schritt langsam zurück zum Ort, an dem sich der Eingang von oben zur Höhle befand. Die Kaguya drehte sich dort noch einmal in die Richtung des Lichtes um, ehe sie wieder hinabstieg in die Kälte. Fast glich es einem eiskalten Sog. Die Felswände waren so kalt, dass ihre Hände zu schmerzen begannen. Soley fror und schlotterte unten angekommen vor Kälte. Ihre Zähne klapperten laut und sie konnte kaum sehen, wohin sie ging. Sie suchte nach dem Felsen, auf dem sie sitzen wollte. Beim Herantreten fiel ihr auf, dass die Mondtänzerin nicht an der Stelle lag, an der sie den Körper vorsichtig gelegt hatte.
"Wiederholungsfehler." Ihre Stimme klang höher, als die von Soley und erschreckend nahe, beinahe wispernd. Instinktiv drehte sich die Kaguya um, was auch gut war, denn sonst hätte sie eine Knochenspitze aufgespießt.
Der erste Tanz, mahnte Soley. Ein neckisches Grinsten zierte das Gesicht der anderen.
"Schlaues Mädchen", meinte sie ironisch.
Genauso gut hätten es mehr davon sein können, dann wäre ich nun durchlöchert ... Doch nicht der Gedanke erschreckte Soley am meisten, denn die Farbe der Knochen. Sie waren lila. LILA! aber es waren ganz sicher einfache Knochenmasse. Also die der Kaguya-Erben. Soley fürchtete, diese würden sich anders verhalten.
Andere Farbe, fester - sofern das noch geht - und ätzend?, fragte sich Soley gedanklich. Sie konnte ihre Gedanken nicht ruhen lassen, doch die andere wusste was ihr durch den Kopf ging. Immer mehr Licht drang von oben in das Loch hinein.
Das Licht, schwärmerisch ließ Soley einen kurzen Blick in die Richtung zu. Wider Erwarten folgte der Blick der Mondtänzerin. Soley änderte ihre Position in eine weniger angespannte, freundlichere Form.
Wie ist es wohl da oben?, fragte sich die andere Soley. Sie schien nur durch dieses bisschen mehr Licht geblendet. Soley mochte es fast nicht denken, doch so wie ihre Dunkelheit da stand, wirkte sie zerbrechlich, obwohl sie es nicht war. Soley wusste selber, wie stark und schnell ihre Dunkelheit war. Doch sie hatte etwas verletzliches an sich. Es befand sich einfach auf einer anderen Ebene.
"Schön, es ist warm und freundlich." Sie war nun wieder im Blickfeld der anderen Soley, doch diese erblickte eine sichtlich erhellte Kaguya. Die Knochen verschwanden wieder, als schrumpften sie zurück zu der Stelle, von der sie ausgetreten waren.
"Du hast mich nicht ertrinken lassen", wechselte sie das Thema. Sie sagte dies kindlich irgendwie, als stünde sie nun in Soleys Schuld.
"Du hast zuvor mich nicht ertrinken lassen", grinste Soley anerkennend. Der Blick ihrer gegenüber hellte sich sichtlich auf.
"Nachdem ich dich wieder in die Tiefe gezogen habe", meinte sie erklärend und ein wenig verträumt darüber. Sie stand ganz ruhig da. Soley fühlte sich wie ein geladenes Energiebündel und war unsicher, ob das Pulsieren ihrer Adern bis nach außen sichtbar wurde.
"Ach, das macht doch nichts", erklärte Soley noch immer lächelnd. Plötzlich rannte die andere auf sie zu. Es lag nicht viel zwischen ihnen, sodass sie schnell vor ihr stand ohne dass Soley überhaupt mit den Wimpern hätte zucken können. Kurz vorher blieb die zierliche Gestalt vor ihr stehen. Noch immer lag kein Ausdruck auf ihrem Gesicht, doch Soley war erschrocken und ihr Körper wie festgefroren.
"Das hier kann funktionieren, aber lüg' mich nicht an Soley Kaguya!", mahnte sie mit ruhiger, aber erhabener Stimme.
"Ich kenne dich." Kurz hielt sie den Blick auf Soley gerichtet. Ihre Augen waren kühler und dunkler als ihre eigenen oder meinte sie das nur? Soleys Augen waren natürlich grün, vielleicht mit einigen braunen Sprenkeln, doch ihre waren dunkler mit einem Hauch lila um die schwarze Pupille herum? Sie wandte sich ab, stand mit dem Rücken zu Soley. Sie atmete tief aus, denn vor Aufregung musste sie wohl die Luft angehalten haben. Langsam schritt sie auf ihr dunkles Selbst zu, fasste sie an der Schulte und zwang sie praktisch eines würdigen Blickes.
"Es tut mir leid. Du meinst tatsächlich, dass wir ...", brach Soley ihre Frage ab. Okay, bestand Hoffnung? Könnten sie versuchen einander zu vertrauen? Soley war einfach nur froh, überhaupt solche Worte erahnen oder über die eigentlich sehr verschlossenen Gedanken herauszubekommen, doch sie kamen aus ihrem Mund! Es wahre Worte. Soley war sich sicher, dass es nicht leere Worte waren, doch vergaß sie ebenfalls nicht, dass die Dunkelheit tückisch war. Soley ließ die Schultern ihres Ebenbildes los und nahm beide Hände. Sie dachte für einen Moment an ihre Unterschiede: der Vorliebe zu den bevorzugten Orten, den charakterlichen Eigenschaften, den Bewegungen und ihren Einstellungen. Doch sie hatten eines gemein: das Wandeln. Es war ein starkes Gefühl und so bewegend, fast wuselnd. Soley trug ein Lächeln auf ihren Lippen und spürte nun wieder den Strom des Chakras in ihrem Körper. Das lilafarbene Juin-Chakra mischte sich hinzu. Es war noch immer ein starker Strom zu spüren, doch es ließ sich nun halten. Ebenso war es zunächst ein bisschen unausgeglichen, doch Soley konzentrierte sich auf einen Ausgleich. Sie wusste was geschehen würde, ließe sie locker. Die Kaguya dachte bildlich wieder an die Tür, wobei sie vielleicht nun mehr wie eine Schleuse war, und bemühte sich um das Zurückdrängen des Juin-Chakras, welches zu viel für eine Balance war. Sie zwang sich trotz der Schmerzen ihres linken Armes weiter mit voller Kraft gegen zuhalten. Die Braunhaarige nahm einen besonders tiefen Atemzug und biss die Zähne, kräftemobilisierend, zusammen. Neben ihrem Ohr vernahm sie ein kleines fast piepsiges Geräusch und spürte das weiche, rot-braune Fell Nairis. Zumindest war es als wäre das Eichhörnchen da. Gedanklich halfen ihr die Leute, die sie mochte, um Ausgleich. Felicita, Takashi, Kana, Sabatea, Seiji, Senjougahra, Yuu, ihre Heimat, ihre Mutter, ihr Halbbruder, ihre Großmutter, Tante, Cousine, Sensei Souta, Sanji, Aiko, Miki, Aki, Malou, Yonae, Talita und Benjiro. Schlussendlich auch ihre dunkle Seite. Alle jene, für die es sich lohnte diesen Schritt zu wagen, die ihr zur Seite standen und ihr die Kraft zum Leben schenkten. Soley spürte eine innere Wärme, die das Brennen des ätzenden Juin-Charkas fast vollständig nahm. Ein angenehmes Gefühl stieg in ihr auf, eine Freude über diese Energie. Soley trug währenddessen ein Lächeln im Gesicht, welches nun schwand. Es lag an dieser Energie. Soley war ohnehin voll davon, doch diese war anders. Wandelnd und darauf wartend zielgerichtet zu werden oder so. Die Kaguya war beinahe ein wenig perplex, aber vollkommen ruhig. Langsam, nachdem sie ihre Aufmerksamkeit von dieser zunächst unbekannten Energie zu wenden vermochte, begann sie das Juin-Chakra zurückfließen zu lassen. Es strömte nicht leicht durch diese Tür zurück und kostete wieder viel Kraft. Doch dieses Gefühl schien zu beflügeln.
"Wow", flüsterte sie leise und lächelte. Noch immer schweifte ihr Blick in ihrem geistigen Auge hin und her, obwohl sie nun einfach wieder so da saß; im Schneidersitz bei Sabatea und Seiji in Ansho mit der Wärme ihrer eigenen Hände auf der Bauchdecke.[/align]